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Mitgliederversammlung der Grünen: "Heranreifende Volkspartei" sucht für Düsseldorf noch nach geeigneten Bündnis-Partnern

Erfahrungsbericht aus Düsseldorf: Bei der Mitgliederversammlung der Grünen gab MdL Josefine Paul, die frischgewählte Abgeordnete, erste Eindrücke und Einschätzungen wieder. [Foto: Halberscheidt]
Gut 48 Stunden ist es her, dass die Grünen über 12 Prozent bei der Landtagswahl holten. Und auch wenn am Wahlabend der Jubel noch groß war - nun heißt es mit kühlem Kopf über Koalitionspräferenzen nachdenken: Münsters Basis steuert dabei auf Rot-Rot-Grün zu - wie die Mitgliederversammlung am Abend verdeutlicht.
Wichtigster Tagesordnungspunkt bei der Sitzung: die Aussprache über das, was seit Schließung der Wahllokale am Sonntag passierte. Josefine Paul kommt als MdL gerade aus Düsseldorf von der ersten Fraktionssitzung. „Wir haben stets mehr Wert auf Inhalte als auf Farbenlehre gelegt“, erklärt sie - ein Satz, den man von ihr so oder in ähnlicher Form seit der Nominierung gehört hat. Ihre Parteifreunde werden da wesentlich konkreter: „Eine Koalition mit SPD und Linken darf allein aus programmatischen Übereinstimmungen nicht an uns scheitern“: Zustimmender Beifall brandet auf.
"Klare Positionen"
Seit Sonntag gäbe es in Nordrhein-Westfalen eine Mehrheit für linke Politik, beteuert Vorstandssprecherin Svenja Liehr. Deshalb seien jetzt „klare Positionen" gefragt: Für die "Jamaika"-Variante beispielsweise sieht die Partei keine Perspektiven, das sei man den Wählern schuldig.
Während in Düsseldorf schon über den „Fall Kraftilanti“ spekuliert wird, befürchtet man in den Räumlichkeiten an der Windhorststrasse eher eine große Koalition. Unsicher sei aber auch die Realitätstauglichkeit der Linken, zweifeln wiederum andere aus den Reihen der Basis. „Rot-Grün-Rot müsste es eigentlich heißen“, fordert deshalb ein Mitglied.
Nachdenklichere Töne
Doch zwischendurch sind auch nachdenklichere Töne zu hören. So etwa von Otto Reiners, der vor zwei Tagen noch als Kandidat in Münsters Norden antrat. „Wir sollten uns nicht der Macht wegen verkaufen, Opposition ist keine Schande“, sagt er frei heraus. Die Antwort? Stirnrunzeln und fragende Blicke. Als vorgeschlagen wird, in fünf Jahren die Regierungsbeteiligung durch eine gezielte SPD-Erststimmen-Strategie zu sichern, gibt's nochmals Skepsis.
„Vielleicht bin ich ja nicht die einzige im Raum“, meldet sich eine junge Zuhörerin, „aber ich traue weder SPD noch anderen.“ Doch auch wenn die Ersten in Anbetracht der jüngsten, starken Stimmenzuwächse - siehe oben - bereits von „heranreifender Volkspartei“ sprechen – noch brauchen die Bündnis-Grünen einen großen Partner im Parlament. Die Eingangsfrage aus dem Publikum nach Schwarz-Grün etwa, sie verläuft sich dabei am Ende unbeantwortet im Nichts.
Ulf König
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