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[17.05.2010 | ECHO]

Aus sechs mach eins: echo-muenster bekommt ein neues Format. Wir verabschieden uns von den Ressorts Aktuelles, Wirtschaft, Kultur, Hochschulen und Kaleidoskop. Die Sportkollegen werden in gewohnter Qualität weiterhin tagesaktuell berichten - und dies noch ausführlicher tun. Thomas Austermann und Lutz Hackmann bleiben also im wahrsten Sinne des Wortes „am Ball“. 

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Auto-Trommler von Richthofen: „Kadett E ist der Steinway unter den Konzert-Mobilen“

Autoauto

Der Maestro und sein Steinway, sorry: Kadett E. [Foto: christianvonrichthofen.de]

[07.05.2010 | Münster | LUH]

Konzert, Comedy-Performance, Drum-Session – all diese Begriffe könnten passen, wenn am 21. Mai der Hamburger Christian von Richthofen mit seiner Show „Auto - Auto“ die Jovel-Bühne entert. Über die Idee, die Zusammenarbeit mit der Initiative „nopanicfororganic“ und Audiokunst am Objekt sprach echo-muenster.de mit dem Künstler.


echo: Christian, wie kommt man als Drummer darauf, ausgerechnet mit Autos Musik zu machen? Das kann nicht alleine daran liegen, dass Du schon mit den Einstürzenden Neubauten gespielt hast. Oder?

Christian von Richthofen:
„Nein, das wohl nicht. Es fing eigentlich damit an, dass ich 1999 von der Bürgerstiftung Hamburg gefragt worden bin, ob ich mit jugendlichen Problemfällen musikalisch was machen könnte. Damals habe ich zufällig gerade Schrott für mich entdeckt. Also, um drauf zu trommeln. Ich muss immer trommeln. Da habe ich das gleich aufgenommen. Denn mit den Jugendlichen was mit Schrott zu machen, war auch deswegen interessant, weil Schrott billig ist und nicht geklaut wird. Da waren auch Jungs in der Gruppe, die hatten gerade mit Baseballschlägern parkende Autos beschädigt. Denen habe ich gesagt: Wenn ihr euch an das und das haltet, dann kommt ihr zurück, und dann schieben wir ein Auto auf die Bühne, das machen wir dann rhythmisch kaputt.“


echo: Bis zum ersten Auftritt dauerte es aber noch ein bisschen…

von Richthofen:
„Richtig. Ein Kollege von mir, der Soulsänger Stefan Gwildis, hat von der Idee gehört, der sagte dann zu mir: Super Idee, wann setzt du das um? Wir sind dann auf einen Hamburger Schrottplatz gegangen, und da habe ich schnell gemerkt, was für ein super Instrument ein Auto sein kann. Unsere Premiere war gleich ausverkauft.“


echo: Du bist jetzt zehn Jahre unterwegs mit „Auto – Auto“, abwechselnd mit Rolf Claussen und Benny Greb. In Edinburgh 2008 habt ihr in einem Monat 28 Karren verschlissen. Man möchte meinen, Du weißt jetzt, welches Auto den besten Sound hat…


von Richthofen:
„Das habe ich schnell gelernt: Der Opel Kadett E ist der Steinway unter den Konzert-Mobilen! Da kommt kein Golf und kein Fiat dran.“


echo: Ah, okay. Ihr seid ja auf größeren Bühnen unterwegs. Rockbands nehmen ihre Drums ab. Wie mikrofoniert man einen 1987-er Kadett. Oder tut der´s auch unplugged?


von Richthofen: „Nein, nein! Der wird komplett abgenommen über die PA. Also, im Jovel sieht es so aus, dass der Wagen gegen 14 Uhr auf die Bühne gerollt wird, gut sichtbar fürs Publikum gestellt wird. Dann gibt´s erstmal ein Loch in den Fahrzeugboden, da kriegt der Wagen dann Beleuchtung. Danach werden tatsächlich acht Mikros verbaut. Die Bassdrum an der Handbremse, an den Scheiben sind Klebemikros. Wenn wir damit fertig sind, kommt der große Soundcheck.“


echo: Koppelst Du irgendwelche Effekte, Trigger oder Ähnliches?


von Richthofen:
„Bloß nicht! Darauf verzichten wir völlig. Wir nehmen den Originalsound des Autos. Mit der bloßen Faust kommt das im Übrigen am besten. Vor allem der Sound von einer brechenden Windschutzscheibe ist einfach großartig. Aber es geht natürlich auch dezenter. Beim Kadett klingt besonders der vordere Kotflügel richtig geil. Und auf der nassen Heckscheibe kann ich richtige Melodien spielen. Das hört sich dann an wie eine brasilianische Cuica.“


echo:
Kommen da auch die guten Paiste-Drumsticks zum Einsatz?

von Richthofen:
„Naja, wenn, dann benutze ich eher, sagen wir: Werkzeuge. Die Rundhölzer aus dem Baumarkt mit so fünf Zentimetern Durchmesser, sind zum Beispiel klasse. Aber auf Sticks oder Paukenschlägel verzichte ich. Das ist zu nah dran am echten Instrument. Ich will ja mit Sachen Musik machen, die eigentlich nichts mit Musik zu tun haben. Am liebsten bearbeite ich den Wagen sowieso mit den bloßen Händen. Und ich muss sagen: Ein Auto ist ein viel reizvollerer Klangkörper als es Drums sind!“


echo:
Wie kann man das nennen, was Ihr auf der Bühne treibt? Was für eine Performance erwartet die Zuschauer und Zuhörer?


von Richthofen: „Es ist schon so, dass es erklärungsbedürftig ist für Leute, die unsere Internetseite nicht kennen. Es ist ein Stück Comedy und Theater, eine verrückte Reise ums Auto, was ja ein sehr emotional besetztes Thema ist in Deutschland. Vor allem ist es aber Musik. Es wird gesungen und getrommelt. Ich würde sagen: eine hochmusikalische Performance.“


echo:
Du bist sicher, dass das in der Studenten- und Akademikerstadt Münster ankommt?

von Richthofen: „Ja, absolut. Gerade in Münster. Denn es ist nicht ein Geklopfe und Gesinge. Für Leute mit Köpfchen gibt es daneben einiges zu entdecken bei unserer Performance. Ich denke schon, dass sie intelligent gemacht ist. Die Leute werden auf ihre Kosten kommen und das Auto auf andere Art und Weise kennen lernen.“


echo: Außerdem ist Euer Gig ein Engagement für eine wichtige Sache…

von Richthofen:
„Mit unserer Musik wollen wir auf das Thema Organspende aufmerksam machen. Bei der Organisation war Prof. Dr. Dr. Mathias Hoffmann von der Raphaelsklinik behilflich, der nopanicfororganic ja unterstützt. Er hat die Show vor Jahren zweimal in Hannover gesehen, danach hat er mich angesprochen, weil er mir noch zu einem Kadett E verhelfen konnte. Mittlerweile sind wir miteinander befreundet. Aber es sind ja auch das Uni-Klinikum und andere münsterische Kliniken Partner der Aktion. Es ist ein wichtiges Thema. Daher ist das Konzert am 21. Mai ein Benefizkonzert.“

Interview: Lutz Hackmann

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