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[17.05.2010 | ECHO]

Aus sechs mach eins: echo-muenster bekommt ein neues Format. Wir verabschieden uns von den Ressorts Aktuelles, Wirtschaft, Kultur, Hochschulen und Kaleidoskop. Die Sportkollegen werden in gewohnter Qualität weiterhin tagesaktuell berichten - und dies noch ausführlicher tun. Thomas Austermann und Lutz Hackmann bleiben also im wahrsten Sinne des Wortes „am Ball“. 

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Das Ende eines Kulturkampfes: Die Paul-Wulf-Skulptur bleibt – und wird gebührend gefeiert

Skulptur Paul Wulf

Vormals an der Klemensstraße aufgestellt, bezieht die Paul-Wulf-Skulptur in Kürze am Servatiiplatz ihren neuen Standort. [Foto: Skulptur Projekte Münster]

[29.04.2010 | Münster | CKR]

Perfektes Timing: Wenn sich am Sonntag, 2. Mai, der Geburtstag von Paul Wulf zum 89. Mal jährt, gibt’s für Freunde und Anhänger des bekannt gewordenen NS-Opfers gleich noch einen Grund zu feiern. Die Querelen um die Paul-Wulf-Skulptur, in der Stadtbevölkerung heiß diskutiertes Objekt von Künstlerin Silke Wagner, haben ein Ende, der Rat hat den Ankauf jetzt abgesegnet.

„Eine alte kulturpolitische Wunde ist endlich geheilt“, sagt Thomas Seifert, Journalist und Unterstützer des Feundeskreises Paul Wulf. Die Zusage der Fraktionen sei „keine Sensation“, aber eine „erfreuliche Entwicklung“. Um die prägnante Figur, die 2007 im Rahmen der Skulptur-Projekte präsentiert wurde, für Münster erhalten zu können, stellt die Stadt 21.500 Euro bereit, mit Bürgerspenden in Höhe von 12.000 Euro kann der Kauf abgeschlossen werden. „Die jetzt einhellige Zustimmung zeigt: Im Umgang mit kritischer Kultur hat sich in der Vergangenheit eine gewisse Souveränität entwickelt“, erklärt Seifert.

Im Blickpunkt: Zwangssterilisation

„Münsters Geschichte von unten“, so lautet der eigentliche Titel von Wagners Werk. Auf der Zementfigur, deren Körper an eine Litfaßsäule erinnert, spiegeln sich qua angeschlagenen Plakaten und Zeitungsartikeln all jene Themen wider, mit denen sich der „Antiheld“ Wulf (Foto: Sabine Hoppe) Zeit seines Lebens beschäftigt hat: Die münstersche Hausbesetzer-Szene in den 70er und 80er Jahren, die Anti-Atom-Bewegung und die Zwangssterilisationen zur Zeit des Nationalsozialismus. „Diese Aspekte, die eben auch zu Münster gehören, lassen das Glamour-Bild dieser Stadt ins Wanken geraten“, sagt Ludger Schnieder, Chef des Pumpenhauses und aktiver Unterstützer des Freundeskreises.

Geburtstags-Kaffeekränzchen

Und wo wird das Objekt künftig zu sehen sein? „Nach einer gründlichen Standortprüfung wird die Skulptur auf dem Sevatiiplatz aufgestellt“, kündigt Dr. Bernd Drücke vom Freundeskreis an. Und genau dort, am Servatii-Hochhaus, gibt’s am Sonntag ein zünftiges Kaffeekränzchen zu Ehren des vor knapp elf Jahren verstorbenen Antifaschisten: Ab 15.30 Uhr laden das Pumpenhaustheater (im Rahmen seines Jubiläumsfestivals „Statements“), der Freundeskreis Paul Wulf und der Unterstützerkreis Silke Wagner-Skulptur zu einer gemütlichen Runde mit Kaffee, Kuchen und einem kleinen Kulturprogramm ein.

Freuen sich auf zahlreiche Gäste (v.l.): Thomas Seifert, Ludger Schnieder, Detlef Lorber (Freundeskreis Paul Wulf) und Dr. Bernd Drücke. [Foto: Kern]

Grüße an Paul Wulf

Als Gäste haben sich unter anderem angekündigt: Der Schauspieler und Musiker Helmut Buntjer, Hannes Demming, Regisseur an der Niederdeutschen Bühne, der Schriftsteller Burkhard Spinnen und Bürgermeisterin Vilhjalmsson. „Große Auftritte stehen aber nicht an, Grüße an Paul Wulf sollen im Mittelpunkt stehen“, meint Schnieder.

Die Skulptur wird an diesem Nachmittag noch nicht zugegen sein, soll dann aber so bald wie möglich aufgestellt werden. Geplant ist, die auf ihr plakatierten Dokumente alle zwei Monate auszutauschen, über einen Zeitraum von drei bis vier Jahren. Danach soll sie zur Villa ten Hompel umziehen, an jenen Ort, an dem Teile von Wulfs antifaschistischen Ausstellungen zu sehen sind. 

Caroline Kern

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