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Elf Meter für Miró: Picasso-Museum präsentiert die asiatische Seite des berühmten Künstlers

Ein außergewöhnliches Werk: Joan Miró, Makimono mit Kiste, 1954, Seide und bemalte Holzkiste, 41 x 1100 cm. [Foto: Maeght Gallery, Paris]
Joan Miró gilt als einer der vielfältigsten und experimentierfreudigsten Künstler der Klassischen Moderne. Er war Maler, Grafiker, Bildhauer und Keramiker zugleich. Rund 100 seiner Werke zeigt das Graphikmuseum Pablo Picasso Münster bis zum 6. Juni in der Ausstellung „Joan Miró - Die Farbe seiner Träume“.
Anlässlich einer ihm gewidmeten Sonderausstellung in Tokio reiste Miró 1966 erstmalig nach Japan. Wie sehr ihn das Fernöstliche jedoch schon vor dieser Reise beschäftigte, zeigt das Werk „Makimono mit Kiste“ aus dem Jahr 1954. Es handelt es sich dabei um ein querformatiges, japanisches Rollbild aus Papier.
Elf Meter Papier
Bei den Japanern konnte ein Makimono mehrere Meter lang werden, und auch Miró scheute keine Mühen. Ganze elf Meter Papier bemalte er mit seinen fantasievollen Zeichen und Figuren. Damit zählt es zu den längsten Objekten des Katalanen. Um das Papier anschließend zu stabilisieren, befestigte der Künstler nach japanischem Vorbild an beiden Enden einen Stab. Rollt man das Makimono nun von rechts nach links, lassen sich die einzelnen Bildabschnitte nacheinander betrachten.
Abstrakte Figuren
Makimonos sind für gewöhnlich „erzählende Bilder“. Sie wurden in Japan häufig für die Darstellung von Kriegen genutzt. Mirós Interpretation der asiatischen Traditionsrollen war dagegen sehr viel individueller. Er skizzierte in seinen Bildern weniger eine Geschichte als vielmehr eine zufällige Abfolge mehr oder weniger abstrakter Figuren. An die japanischen Vorbilder erinnert Mirós Makimono dennoch: Seine in sattem Schwarz gezeichneten Formen lassen den Betrachter unweigerlich an asiatische Schriftzeichen denken.
Reich verzierte Kiste
Besonderes Augenmerk hat Miró ganz offensichtlich auch der Kiste gewidmet, die der Bildrolle als schützende Hülle dient. Makimonos werden, wenn sie nicht in Gebrauch sind, in aufgerolltem Zustand in der Wohnung aufbewahrt. Auffällig bei Miró ist, dass er das Äußere des Kästchens unangetastet ließ und es lediglich von innen aufwändig verzierte. So wirkt es wie eine unscheinbare Schatulle, deren fantasievolles Inneres im verschlossenen Zustand verborgen bleibt.
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